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Grafik: mit kultureller Vielfalt begeistern

LIEBES PUBLIKUM, LIEBE MITGLIEDER UND KULTURFREUNDE,

leider durchkreuzt die aktuelle Entwicklung rund um das Corona-geschehen weiterhin die Fortführung des Veranstaltungsprogramms der Kulturgesellschaft der Stadt Ahlen e. V. in der Spielzeit 2020-2021.

Zur Eindämmung der Corona-Pandemie haben Bund und Länder eine Verlängerung des Lockdowns beschlossen. Er gilt voraussichtlich bis zum 07. März 2021, so dass der Kulturgesellschaft bis auf weiteres die Durchführung von Veranstaltungen nicht möglich ist. Damit sind wir auch  gezwungen,  die für Samstag, 06. März 2021, geplante Kabarett-veranstaltung mit Inka Meyer und ihrem Programm „Der Teufel trägt Parka“ abzusagen. Wie es mit dem Auftritt vom David Helbock Trio (22. April 2021) weitergeht, bleibt abzuwarten.

Wir werden sowohl auf dieser Homepage als auch über die Tagespresse unsere Veranstaltungen, sobald für diese Ihrerseits der Erwerb von Eintrittskarten möglich ist, vorstellen!
 
Bis dahin bitten wir um ein wenig Geduld und verbleiben

Ihre

Renate Franke, 1. Vorsitzende
Christoph Wessels, Geschäftsführer

David Helbock Trio „Tour d´Horizon (from Brubeck to Zawinul)“

Donnerstag, 22.04.2021 | 20.00 Uhr | Stadthalle

Foto: HelbockTrio@AstridDill
HelbockTrio@AstridDill
Foto: HelbockTrio@AstridDill
HelbockTrio@AstridDill

David Helbock ist ein „konsequenter Spurensucher am Puls der Zeit“ und „begnadeter Geschichtenerzähler am Klavier“ (3sat Kulturzeit). Bereits auf seinem ACT-Debüt „Into the Mystic“ hat der Österreicher bekannten Kompositionen einen neuen, persönlichen Stempel aufgedrückt: von Beethoven über Thelonious Monk bis zu John Williams schlug er damals den Bogen rund um Sagen, Mythen und Spirituelles. 

Bei seinen neuen Exkursionen konzentriert sich Helbock mit dem Random / Control Trio ganz auf seine musikalischen Vorbilder am Klavier. Sein neues Album ist eine „Tour d’Horizon“ - so auch der Titel – zu den Granden des Jazzpianos: „Ich habe dafür Stücke von meinen Lieblingspianisten ausgesucht, von denen, die meinen musikalischen Horizont erweitert haben“, erklärt er. Der weite Bogen seiner 12 Standard-Interpretationen reicht vom klassischen spanischen Komponisten Joaquín Rodrigo und dessen legendärem zweiten Satz des „Concierto de Aranjuez“ - was daran erinnert, dass auch Helbock von der Klassik kommt. Bis zu Carla Bley, die mit ihrem aus nur einem melodischen Fragment bestehenden „Utviklingssang“ bewiesen hat, dass sie „eine völlige Meisterin darin ist, einfache, aber geniale Melodien zu erschaffen, die im Ohr des Hörers bleiben und augenblicklich eine Stimmung bei ihm erzeugen“, wie Helbock es beschreibt. Beim Thema Songwriting kam er an zwei Kollegen nicht vorbei, die jeweils die stilprägendsten Komponisten ihrer Zeit waren: Duke Ellington natürlich, dessen „In A Sentimental Mood“ für Helbock „in der Mitte zwischen seinen Epoche-machenden Suiten und seinen tanzbaren Chart-Hits steht und sich deshalb als gute Wahl anfühlte.“ Und der vor genau zehn Jahren viel zu früh gestorbene Esbjörn Svensson, dessen neues Mischungsverhältnis zwischen Dynamik, Groove und Melodik - hier von Helbock mit „Seven Days of Falling“ eindrucksvoll vor Augen geführt - geradezu eine neue Jazzschule begründet hat. 

Es ist auch jener Pianist vertreten, den Helbock gewissermaßen mit der Muttermilch aufgesogen hat: „Zu Keith Jarrett habe ich eine besondere und besonders emotionale Beziehung“, berichtet er. „Meine Mutter hörte seine Musik ständig während ihrer Schwangerschaft. Deshalb vermute ich, dass das erste Stück, das ich überhaupt hörte, bevor ich überhaupt geboren war, „My Song“ gewesen sein muss.“

Herbie Hancocks „Watermelon Man“ wiederum steht für Helbocks musikalisches Erwachen als Teenager: „Eine Greatest Hits-Compilation von ihm war das erste Album, das ich mir selbst gekauft habe.“ Joe Zawinul darf ebenfalls nicht fehlen, ist er doch als Österreicher, der die Jazzwelt eroberte, ein strahlendes Vorbild. Mit Miles Davis‘ „Blue In Green“ und Paul Desmonds „Take Five“ finden sich schließlich sogar zwei Stücke, die nicht von Pianisten komponiert sind. Aber die doch untrennbar mit den Tasten-Großmeistern der sie zuerst einspielenden Bands verbunden sind: mit Bill Evans und Dave Brubeck. 

„Covern“ wäre nun freilich das Letzte, was einem zu Helbocks Adaptionen einfiele. Zu eigenwillig ist sein Zugriff auf die Klassiker der Jazzpiano-Geschichte. Was bei der Besetzung beginnt: Helbock vertraut das Projekt seinem schlagzeuglosen Random / Control Trio mit den beiden multiinstrumentalen Bläservirtuosen Andreas Broger und Johannes Bär an. Die Vorarlberger Freunde haben sich bereits beim Holstuonarmusigbigbandclub (HMBC) bis in die Pop-Hitparaden hinein einen Namen als humorvolle Klanganarchisten gemacht. Eine Anarchie, die die beiden Ein-Mann-Orchester freilich stets – zum Beispiel auch in Bands von Matthias Schriefl oder Phil Yeager – einem Plan, einem Arrangement folgen lassen. Was auf „Tour d’Horizon“ schon zum Einstieg mit Abdullah Ibrahims vor Lebensfreude platzenden „African Marketplace“ mustergültig vorgeführt wird: Mit insgesamt über 20 Instrumenten vom Didgeridoo bis zur Tuba wird der Titel beim Wort genommen, und auch Helbock nutzt nicht nur die Tasten, sondern auch direkt die Saiten und perkussiv den Holzkorpus des Flügels. 

Schrille Flöten, beatboxende Stimmen oder Synthesizer Sounds, die drei Wirbelwinde nutzen alles Denkbare und mehr bei ihrem mitreißenden Parforceritt durch Helbocks ganz persönliche Musikgeschichte. Einmal mehr entfacht diese „Tour d’Horizon“ mit dem Jazz-Spirit das Glimmen der Tradition.


Uli Masuth “Mein Leben als ICH”

Ersatztermin „18. September 2021“

Foto: Masuth,Uli@Andreas Kasparbauer
Masuth,Uli @Andreas Kasparbauer

Was ist los in einer Zeit, in der sich die Menschen immer häufiger selbst fotografieren? Die Mitmenschen zunehmend aus den Augen verlieren oder als Bedrohung empfinden? Eine Zeit, in der Ängste wachsen und Ablenkung immer größer geschrieben wird?

Wo Donald Trump „America first“ brüllt und immerhin noch das Land im Blick hat, heißt es für viele Menschen nur noch: „I first!“. Ganz viel „I“. Analog zu iMac, iPhone, iPad. Aber spiele ICH eigentlich noch eine Rolle, in MEINEM Leben und im großen Ganzen? 

Und wenn nicht, wie kann ich wieder auf mich aufmerksam machen? Bei Pegida mitmarschieren, AfD wählen oder mal um mich schießen?

Wie gut, dass Masuth ein fantastischer Beobachter, ein bissiger Formulierer und Meister des rabenschwarzen Humors ist, der natürlich auch die Schwächen des Gutmenschentums bloßlegt und gewaltig gegen den Strich bürsten kann. 
Um mit der Stimme einer Zuschauerin zu sprechen: „Herr Masuth, Ihre leise Lesart wirkte umso tiefgängiger, Ihre Unaufdringlichkeit umso eindringlicher. Ihre charmante, augenzwinkernde Form nahm den feinsinnig dargelegten Fakten die Schwere. Mein Fazit: Eine weise, nachsichtige, achtsame und authentische Momentaufnahme - wider Erwarten gut verdaubar!“

Auch wenn es der Titel nicht vermuten lässt, nicht ausgeschlossen, dass sich das Publikum an diesem Abend selbst begegnet. Denn in „Mein Leben als ICH“ geht es auch um SIE!, sagt Uli Masuth.

Fazit: Ein Kabarett-Abend mit Musik, ohne Gesang, politisch.